Welcome to the Jeep Universe!

In den USA ist das Jeep Camp ein Event der Superlative, es gehört zum Leben wie Hamburger und Donuts. In Europa ist die Fan-Gemeinde groß, jedoch gibt es eher viele Länderclubs, die abwechselnd Treffen organisieren.

Dieses Jahr findet in im Jagdgebiet Riserva Oppici in Italien ein internationales Jeep Camp statt. Das erste Mal auch unter dem neuen Dachverband „Jeep Owners Club“, einer neuen Vereinigung, offiziell vom Werk unterstützt, für alle Jeep Fahrer und begeisterte „Jeepster“.

Hierzu muss man (noch) keinen eigenen Jeep besitzen, es genügt das Interesse an der Marke und dem „Jeep-Gefühl“.

 

Für uns Asphalt-Cowboys startet das Abenteuer auf mehreren hundert Metern Höhe des Monte Capuccio in der Nähe der berühmten Stadt Parma. Teilnahme- und Startnummer auf unseren Cherokee Limited aus der aktuellen Modellpalette geklebt und durch das Jeep Tor in das Land der Freizeitabenteurer eintauchen. Der Cherokee ist selbst ein Jeep Urgestein, wird seit 1974 angeboten und wurde 2014 komplett neu designt und konstruiert. Diese Symbiose aus Tradition und Moderne ist wie geschaffen für unseren Einstieg in die Outdoorwelt.

 

Schon direkt zu Beginn des Camps sind wir überrascht, dass neben einigen schönen historischen Modellen wie CJ7, Wagoneer bis zum legendären Willy’s zurück, insbesondere viele neuwertige Fahrzeuge vor Ort waren, aus der aktuellen Modellpalette. Auch sehen wir bei unserem ersten Rundgang nicht nur die Outdoor-Freaks, die mit nackten Oberkörper und Axt bewaffnet Baumstämme fürs Lagerfeuer kleinhacken. Es sind in der Überzahl eher normale Menschen aus ganz Europa, die eines eint, die Liebe zur Freiheit und die Lust an der Marke Jeep.

 

Die Lust am Outdoor-Fahren wollen wir nun auch spüren, also aufgesessen und das „Team Germany“, bestehend aus drei Pressefahrzeugen der deutschen Fiat Group Niederlassung in Frankfurt, setzt sich in Bewegung zu den drei verschiedenen Trails die angeboten werden. Eine grüne Route mit „normalem“ Schwierigkeitsgrad, was aber sicher unterschiedlich ausgelegt wird, wie wir später noch erfahren müssen, eine gelbe und für die Hardcore-Fraktion, eine schwarze Route.

Am Anfang gibt es nur leichten Schotter in traumhafter Berglandschaft. Mit ein wenig Träumerei, wähne ich mich in den Rockies, in den USA, dem Geburtsland von Jeep. Schon geht es steiler hinauf, ich fahre die 9-Gang-Automatik auf Stufe „D“, den Schalter zur Verteilung des Allrades auf „Auto“. Anwählbar ist auch „Sport“, hier wechselt der Cherokee seinen Antrieb von der Vorderachse auf 60%igen Antrieb der Hinterachse.

 

Die Elektronik regelt alles perfekt und nicht wahrnehmbar. Ich als Matsch, Staub und Dreck-Newbie kann mich ganz aufs Lenken, Schauen und Fahren konzentrieren.

Die Kulisse wird immer atemberaubender, immer höher schraubt sich unser drei Wagen Convoi, dann biegt Markus Hauf, Pressesprecher Jeep Deutschland, in seinem bulligen Grand Cherokee ab auf die gelbe Route. Die Wrangler-Besatzung folgt, ich denke, „Gelb“ heißt Vorsicht, aber was soll schon sein, wir sind ja eine „Community“.

Nach wenigen Kurven weiß ich was „erhöhter Schwierigkeitsgrad“ bedeutet. Für Hardcore-Offroad bietet Jeep den Cherokee in einer „Trailhawk“-Ausstattungslinie an. Dieser hat eine höhere Bodenfreiheit, zusätzliche Antriebsfeatures und einfach mehr „Abenteuer“. Ich stehe vor einem steilen, nein, einem sehr steilen Anstieg, zu Fuß würde ich diesen Anstieg wohl nicht erklimmen können. Wenn ich gerade aus der Frontscheibe schaue, sehe ich praktisch auf eine Wand. Eine Wand aus Schlamm, Matsch, Steine und Geröll. Der Grand Cherokee ist oben. Also ich nehme an das er oben ist, weil er ist einfach weg, aber der Anstieg ist so steil, das ich aus dem Blickwinkel meiner Scheibe, dieses „da oben“ nicht sehen kann. Kurz nicht aufgepasst, ist auch der Wrangler weg, ich sehe nur noch, wie er nach links und rechts rutschend sich durch den Matsch wühlt, Stille.

Instinktiv greift meine rechte Hand an das Wahlrad des Untergrundes und stelle um auf „Sand/MUD“. „Ok mein Freund“, sage ich nicht zu meinem Begleiter, sondern zum Cherokee und drücke das Gaspedal runter. Links und rechts schlagen die kleinen Äste gegen die Karosserie und Scheiben, ich komme bis ungefähr zur Hälfte des Anstieges, oben kann ich schon Licht sehen, aber ich merke wie der Vortrieb weniger wird. Ich drücke das Gaspedal weiter durch, sage leise „lass mich hier bitte nicht hängen“ und dann rutsche ich links, rechts, der 3.2 Liter Benziv-V6 mit 272 PS brüllt und dann sind wir oben. Ich halte kurz an, schaue zurück, unfassbar!

So geht es die nächsten 25km weiter, durch eine Mischung aus Schotter, Anhöhen, Wälder, Wildnis, Schlamm und eine Art Urwald-Look.

Wer einmal im Freizeitpark die Wasser-Achterbahn gefahren ist, kennt das Gefühl, direkt am Start, wenn der „Baumstamm“ hochgezogen wurde und man steht oben auf der Kippe, schaut nach unten und weiß, gleich geht’s mächtig bergab. An so einer Stelle stehe ich nun, irgendwo mitten in den italienischen Bergen auf diesem unglaublich großen Gelände. Links und rechts geht es mehrere hundert Meter bergab, vor mir ein Weg mit Schotter und Furchen, so groß, dass eine schlanke Nordic-Walkerin darin verschwinden könnte, dass nur noch die Stöcke nach oben rausschauen.

Aber auch hier, langsam abwärts, bedingt durch die nicht ganz so hohe Bodenfreiheit des normalen Cherokee, entstehen sehr unangenehme Kratz und Schabgeräusche auf der Unterseite des Wagens. Nun zählt nur eines, die Bremsen. Kein Fading, kein merkbares Nachlassen der Bremswirkung, so sicher wie im berühmten Schoß von Gevatter Abraham kommen wir unten an, können das Camp schon wieder sehen. Nur noch eine Prüfung trennt uns vom „Trailhawk Grill“ mit frischen Burgern, Pommes, Ketchup und einer eiskalten Coke, die Buckelpiste.

 

Dieser Abschnitt ist eine Ansammlung von Löchern, die so tief sind, dass eine normale Pizza mit 22cm Durchmesser, hochkant komplett drin verschwindet. Für einen Wrangler, Grand Cherokee oder Cherokee Trailhawk kein Thema, für meinen eher für die Straße konfigurierten Wagen eigentlich nicht machbar. Außenrum fahren würde gut 10min. Zeitverlust bedeuten und in der Wildnis geht das ja manchmal auch nicht. Nun gut, also Herz in die Hand und los. Die ersten Löcher nehmen der Cherokee und wir noch ganz gut, knapp vor der Hälfte bleiben wir allerdings stecken. Alle vier Räder stecken in je einem Loch, man könnte auch sagen, sie sind darin versunken. Jetzt bloß nicht hin und her schaukeln. Kurz überlegt, Lenkrad herum und dann in 2-3 Versuchen mit gezielten Gasstößen raus. Yes, wir sind wieder oben, aber noch viele Löcher und dazu noch nasser Schlamm vor uns. Völlig egal, auf dem per Bluetooth angekoppelten iphone von AC/DC „For those about to rock“ abgespielt und los. Die folgenden Vertiefungen hauen uns und den Wagen kreuz und quer über die Piste, der Schlamm erledigt den Rest. Im 45 Grad Winkel zur Fahrbahn bahnen wir uns den Weg immer weiter vorwärts und tatsächlich, wir kommen durch!

 

Kurz anhalten, durchatmen. Zwei Wranglerfahrer die nebenan warteten weil sie dachten sie müssen mich rausziehen, klatschen und zeigen „Daumen hoch“. Sie kommen zu mir, der eine sagt „Echt klasse, ich hätte nicht gedacht dass ihr da durchkommt“, der andere zeigt auf meine Reifen „Schau, der hat sogar die originale Serienbereifung für die Straße drauf. Die sind ja verrückt. Damit hier diesen Trail durchzufahren.“

Ich lehne mich leicht aus dem Fenster und sage nur “Jungs, was ist das Problem? Ich fahre einen Jeep! I can go everywhere.“

 

Ob für den erfahrenen Allradspezialisten als Trailhawk, oder für den City-Cowboy und dessen erste Geländeschritte, der Jeep Cherokee und die Jeep Gemeinschaft lassen einen nicht im Stich. Das zeigte sich an diesem sehr außergewöhnlichen Wochenende. Eine tolle Gemeinschaft. Die Mitgliedschaft für den Jeep Owners Club ist abgeschickt! Be a Jeepster!

www.jeep.de 

Info Owners Club

Text: Bernd Schweickard

(c) Foto: Bernd Schweickard

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