Schloss Dyck Classic Days

Nein, sie sind nicht eine Kopie des GoodWood Revivals aus England. Auch wenn es im ersten Moment den Anschein haben könnte. Die in diesem Jahr zum neunten Mal ausgetragenen Classic Days auf dem ehrwürdigen Wasserschloss Dyck bei Jüchen ist eigene Veranstaltung mit einem selbst über die Jahre aufgebautem Charme.

Genauer, es sind sogar drei Veranstaltungen in einem. Auf einem abgesteckten Rundkurs fahren die “Racing Legends”, von einer Fachjury ausgesuchte Fahrzeuge mit Rennhistorie werden dort mit bis zu maximal 135 km/h bewegt und erfreuen die Zuschauer. Im Park gibt es einen “Concours d’Elegance” und und um alles herum noch ein großartiges Oldtimertreffen mit Picknick auf den Wiesen und Feldern.

Die Mischung aus Bentley Blower links auf der Wiese, daneben ein Opel Kapitän der vor einem seltenen Alfa Romeo parkt, ist es, was die Classic Days so einmalig erscheinen lassen. Dazwischen aufgestellte Heuballen auf denen man kurz rasten kann und einen typischen Snack aus der Gegend, Currywurst mit Pommer rot-weiß, einnehmen kann. Der familiäre Charakter lockt seit Beginn vor neun Jahren die Fans an, die zum Teil auf eigener Achse im Vorkriegsklassiker von weit her anreisen. Wenn man bedenkt das der Ursprung von Initiator Marcus Herfort darin lag, ein Klassik-Event zur Erhaltung des damals sehr verfallene Schlosses zu etablieren, hat das mittlerweile über 80 Helfer große Team etwas ganz Tolles geschaffen. Nicht nur weil alles Beteiligten ehrenamtlich arbeiten, so dass alle Einnahmen dem Schloss zugute kommen.

Neben den Fahrzeugen waren dieses Jahr diverse Rennsportgrößen die Stars zwischen Pflaumenwiese und Rennstrecke. Jacky Ickx, Hans Hermann, Klaus Ludwig, Strietzel Stuck waren vor Ort und der ehemalige BMW Motorsportchef Dr. Mario Theissen. Mit ihm fuhren wir sogar in einem Alfa Sonderlauf gemeinsam auf der Strecke, doch dazu später mehr in einem gesonderten Artikel. Auch zu Roland Asch, mit dem wir gemeinsam im Mercedes Benz 300 SLS von 1957 über den Dreieckskurs düsen durften.

Der VW Konzern übernahm in diesem Jahr erstmals das Patronat und brachte diverse Fahrzeuge aus dem eigenen Bestand mit, leider auch viele Neufahrzeuge, die im Fahrerlager etwas deplatziert wirkten. Besser machte das die Fiat Group mit ihren Traditionsmarken Fiat, Lancia und natürlich Alfa Romeo. Zwei Neufahrzeuge und ein gutes Dutzend seltener und aufregender Fahrzeuge wie die Rallyelegende Lancia 037 im Martini-Look, Abarth, Alfa Romeo Giulietta Zagato und dem Einzelstück Fiat Otto Vu (8V) aus dem Werksmuseum Storico aus Turin. Mit dem Zagato und dem Otto Vu sind wir selbst gefahren, auch dazu gibt es eigene Berichte.

Ganz neu indes und extrem beliebt beim Publikum stellte sich „Stars & Stripes“ vor, ein Bereich, der mit 15 Fahrzeugen, Autokino-Ambiente, einem stilechten Diner und einer Rock’n’Roll-Bühne den Chrom- und Flossenbarock der legendären US-Cars feierte.

 

Ebenfalls als Publikumsmagnet stellte sich die liebevoll mit Details aus der Filmtrilogie dekorierte Tüftlergarage von Doc Emmet Brown und Marty McFly heraus, in der der echte Hollywood-Filmwagen aus „Zurück in die Zukunft“ zu bewundern war. Er wurde jeden Tag auch über den Rund­kurs gefahren und begeisterte Jung und Alt.

 

Kern der Classic Days aber blieben wie eh und je die Gleichmäßigkeitsläufe auf der Rundstrecke. 20 Vorkriegs-Motorräder – bei den Gespannen auch jüngere – und 150 Sport- und Rennwagen in verschiedenen Klassen begeisterten mit ihrem Sound und der Ästhetik vergangener Rennszenen. Sieger über alle Läufe auf der Rundstrecke wurde der Prager Miroslav Kresja auf seinem Skoda 1100 Sport von 1949, einem Fahrzeug, das 1950 bei den 24 Stunden von Le Mans eingesetzt war. Er darf sich über eine der 25 offiziellen Classic Days Herrenarmband-Uhren aus dem Hause Chopard freuen. Die Schweizer Uhrenmanufaktur war gleichzeitig offizieller Zeitnehmer der Rundstreckenläufe.

Noch weitere Bilder und Impressionen gibt es beim Kollegen Mikhail Bievetskiy auf www.newcarz.de

Text: Bernd Schweickard

(c) Foto: Jens Scheibel, Bernd Schweickard

 

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