RM Sothebys Duemila Ruote Auktion

Rob’s Italian Selling Party!

Bieterfeuerwerk bei der Duemila Ruote Versteigerung in Mailand.

Dass es etwas Großes werden würde war den meisten klar. Aber was sich am vergangenen Wochenende auf der „Duemila Ruote“, der Zweitausend Räder Auktion im Rahmen der Milano Auto Classica Messe abspielte, hatte so wohl niemand erwartet.

 

RM Sothebys versammelte in einer großen Messehalle gut 850 Lots, wovon 422 Positionen Autos waren. Der Rest verteilte sich auf Motorräder, Fahrräder, Schilder und Boote, auch wenn die meistens keine Räder haben. Ebenso verhielt es sich mit dem Konvolut historischer Bobs, mit denen einmal im Eiskanal um Siege gerungen wurde.

 

Entgegen der Tradition bei RM, bot Rob Meyers, der Gründer von RM Auctions, diesmal keine ultra Hochpreiswagen an, sondern Masse. Vom Alltagswagen bis hin zum, auch wenn man das Wort als Oldtimerliebhaber nicht verwenden sollte, Schrotthaufen.

foto-rm-duemila-milano-8Lot 514 war so einer. Ein ehemals repräsentativer Alfa Romeo 6C 2500, bei dem mehr als das halbe Auto einfach fehlte. Geschätzt auf bis zu 10.000 Euro, fiel der Hammer erst bei unfassbaren 78.400 Euro.

Bereits am Samstag zeichnete sich ab, dass wohl viele der annähernd 6.000 registrierten Bieter, alleine das ist schon wieder ein Rekord, ohne Beute den Heimweg antreten müssen. Hatte man sich bei der Vorbesichtigung die bereits am Donnerstag begann, Hoffnungen auf eine bezahlbare Restaurierungsarbeit für die Wintermonate gemacht, kam dieser Traum schnell zum Platzen.

 

foto-rm-duemila-milano-29Ein Maserati Ghibli 4.9 SS der für 12.000 Euro angesetzt war, angesichts des doch eher erbärmlichen Zustandes realistisch, fand für über 100.000 Euro einen neuen Besitzer. Wer dachte er nimmt sich aus Italien ein Mitbringsel mit nach Hause, wie Lot 224, ein Alfa Romeo Alfetta GTV der mit bis zu 5.000 Euro angesetzt war, hörte erst bei 33.600 Euro den Hammer des Auktionators. Ein Mercedes Benz 300 E AMG, der bei uns als Youngtimer auch oft beim Fähnchenhändler für 5.000 bis 8.000 Euro steht, ging für das Zehnfache, gut 84.000 Euro über den Auktionstisch.

 

„A New Hollywood Thriller Is Born – RM Sothebys Duemila Ruote!“  

 

Noch schlimmer traf es manche am Samstag, als die Bietermeute so richtig in Fahrt kam und rationales Denken wohl draußen an der Garderobe abgegeben wurde. Eine Horde Alltagsporsche fand für utopische Summen neue Käufer, wie auch der kongeniale Mix aus Rosinen, Bastelbuden und Allerlei. Frankophile Normalverdiener machten sich wohl Hoffnung auf den kuriosen Matra M530LX aus 1970 der als Restaurierungsobjekt auf bis zu 3.000 Euro geschätzt wurde. Dieser als Lot 522 gekennzeichnete Wagen, wurde am Ende für 20.160 Euro versteigert.

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Als ob der Wahnsinn kein Ende finden würde und es sich um Monopoly-Geld handelte, kam es in der gut gewärmten Halle am Samstagabend zur Ekstase. Die Ouvertüre übernahm ein Ferrari 599 GTB Fiorano, Lot 587, der eigentlich heutzutage als gebrauchter Alltagsferrari gilt. Nur ist dieser spezieller, da er über ein manuelles und nicht über das sonst verbaute automatische Getriebe verfügt. Von dieser Handschalter-Variante wurden nur zehn Modelle gebaut. Angepriesen mit einem Schätzpreis von 275.000 Euro, war er dem neuen Ferrarista fast das Doppelte wert, gut 537.600 Euro. So aufgeheizt fanden auch ein in klassischem Blu Elettrico lackierter Bugatti EB 110 GT (616.000 Euro), ein Lamborhghini Countach 25th Anniversario (436.800 Euro) und ein 1991er Lancia-Ferrari LC2 Group C (851.200 Euro) der mit 250.000 Euro angesetzt war, neue Käufer.

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Als dann gegen 17.00 Uhr Lot 601 aufgerufen wurde, hatten in der folgenden Bieterschlacht selbst normale Zuschauer Schweißperlen auf der Stirn. Die einen kauten auf ihren Fingernägeln herum, andere versorgten sich mit einem Getränk das Flügel verleihen soll. Das hatten wohl auch die Bieter in sich, denn nur so kann man erklären, wie aufgepusht es dann von einer Million Euro auf die drei Millionen Euro Grenze zuging. Da war die Schwelle gebrochen und ein Raunen ging durch den Saal, begleitet von frenetischem Applaus.

Das direkt dahinter mit Lot 602 ein seltener und klassischer Ferrari 275 GTB/6C Alloy mit Aluminium Karosserie für 3,4 Millionen Euro verkaufte wurde, ging fast unter.

Von der größten bisher stattgefundenen Automobil Auktion in Europa werden wir wohl noch lange sprechen und was an diesen drei Auktionstagen in Mailand passierte. Fest steht, RM Sothebys hat einmal mehr bewiesen, was unter dem Begriff „Garagengold“ zu verstehen ist und das eine Auktion eben mehr Party-Event sein kann, als nur eine Art distinguierte Anlegerversammlung.

Text: Bernd Schweickard

© Foto: Jens Scheibel, Bernd Schweickard

 

Top 10 Verkäufe:  

Lot 602 1966 Ferrari 275 GTB/6C Alloy (CHASSIS NO. 08311) €3,416,000.00
Lot 601 2004 Maserati MC12 (CHASSIS NO. ZAMDF44B000012100) €3,024,000.00
Lot 877 1992 Ferrari F40 (CHASSIS NO. ZFFGJ34B000091464) €1,030,400.00
Lot 875 1988 Porsche 959 ‘Komfort’ (CHASSIS NO. WP0ZZZ95ZJS900133) €1,008,000.00
Lot 876 1969 Ferrari 365 GTB/4 Daytona Berlinetta ‘Plexi’ (CHASSIS NO. 12905) €873,600.00
Lot 599 1991 Lancia-Ferrari LC2 Group C (CHASSIS NO. 0009) €851,200.00
Lot 600 2005 Porsche Carrera GT (CHASSIS NO. WP0ZZZ98Z5L000216) €761,600.00
Lot 572 1969 Ferrari 365 GTC (CHASSIS NO. 11981) €739,200.00
Lot 588 1994 Bugatti EB110 GT (CHASSIS NO. ZA9AB01E0RCD39068) €616,000.00
Lot 896 1996 Porsche 993 GT2 (CHASSIS NO. WP0ZZZ99ZTS393082) €616,000.00

 

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