Bobfahrt St. Moritz

Ice Ice Baby

Eine Gästefahrt im legendären Bobrun St. Moritz-Celerina!

Als Kind war ich immer fasziniert von den Sportlern die nach dem Start in diese „Kiste“ sprangen. Ich habe in den 70ern und 80ern kaum eine Fernsehübertragung des Bob-Wettkampfes verpasst. Und nun stehe ich im Rahmen unserer AWR Magazin Tour mit dem sportlichen Audi SQ5 durch Graubünden selbst vor einem Eiskanal.

Es ist natürlich nicht nur irgendeine Bobbahn vor der wir stehen, es ist der „Olympia Bobrun St. Moritz – Celerina!“. Bereits 1904 in Betrieb genommen ist sie heute nicht nur die älteste noch in Betrieb befindliche Bobbahn der Welt, sondern auch die einzige Natureisbahn weltweit. Alle anderen Eisbahnen in der Welt müssen künstlich vereist werden, in St. Moritz übernimmt diesen Part noch die Natur, inmitten des schönen Oberengadin.

Selbst heutzutage hält der Bobrun St. Moritz noch Rekorde, wobei früher auf ihm, oder besser in ihm, die Jagd nach Zeiten und Rekorde abgehalten wurde. In den Jahren 1928 und 1948 sogar olympisch. Wobei der Wettkampf im Jahr 1928 selbst einmalig geblieben ist, als es eine „Fünferbob“-Klasse gab. 1948 fuhr man dann in den heute noch gültigen Zweier- und Viererbob-Klassen.

Und in solch einem „Vierer“ soll ich nun rein. Heute, an diesem wunderschönen sonnigen Tag der die schneebedeckte Landschaft in ein Winterwunderland verwandelt. Passend zur Thematik des Eiskanals hat sich die Temperatur bei gut minus 15 Grad eingependelt. Seltsamerweise ist mir dennoch warm. Ob es an der neuen „Off-Piste“- Kollektion der Völkl Performance Wear liegt oder an der Aufregung, wobei Vorfreude das wohl treffendere Wort ist, kann ich jetzt noch nicht sagen.

Während ich noch ein wenig die Eindrücke der Bahn auf mich wirken lasse, sehe ich plötzlich meinen Namen oben auf der Anzeigentafel. „B. Schweickard“ mit der Startnummer 2, ja muss es denn gleich vorne sein? Es muss! Also die vorher erhaltene Sturmhaube aufgesetzt und in dem kleinen Räumchen einen der schwarzen Gästehelme ausgesucht. Von allen Größen sind genügend vorhanden, so dass es wohl nicht zu Engpässen kommt.

Vor meinem Start geht noch eine Truppe in einem historischen Bob runter. Wobei „Bob“ mit diesem Ding wenig zu tun hat, dass aussieht wie ein altes Federkern-Matratzengestell an dem vorne ein Lenkrad (?) montiert ist. „Wollts auch mit dem historischen Bob fahren? Dann sehts ihr mehr“ ruft mir einer der vielen netten Helfer an der Bahn zu. Ich tue so als habe ich ihn nicht gehört. Ehrlich, das muss nicht sein. Wenigstens in einem modernen Bob, eine Art Sardinenbüchse, eingepackt darf es schon sein.

Dann kommen beide Profifahrer auf uns zu, den anderen Gastfahrer und mich. Unser Pilot heißt Donald Holstein und ist gleichzeitig der Leiter der Bobschule. Mit Bremser Peter Liechti sitzt ein ebenfalls Erfahrener direkt hinter mir, da ich mich auf Platz drei im Bob hinsetzen soll.

„Hepp Hepp Hepp“, auf geht’s vom Starthaus „Dracula“, dem 1973 dort von Gunter Sachs gegründeten „Dracula-Club“, der bis zu seinem Tod noch Mitglied im St. Moritz Bobsleigh Club war.
Der Anfang verläuft ruhig und gelassen und erstmals vernehme ich dieses Geräusch, wenn Kufen über blankes Eis schaben, nicht durch den TV-Lautsprecher sondern Live, ungefiltert in meine Gehörgänge eindringend. Und während ich angespannt bin was gleich passieren wird und sich Adrenalin in meinem Körper ausbreitet, zack, geht’s in die erste Kurve rein. Das ging ja noch denke ich so bei mir und merke wie wir stetig Fahrt aufnehmen. Ich riskiere einen Blick nach links und rechts, nehme die Eiswand wahr und so plötzlich sind wir schnell. Verdammt schnell. Wie war das? Was sagte Donald Holstein zu mir? Die Ellenbogen nach außen, innen an die Bobwand drücken als würde man zwei Eimer Wasser tragen und mit dem Oberkörper versuchen aufrecht in der Mitte zu bleiben. Natürlich auch wenn es in der Kurve nach oben geht und man sich im Winkel von 90 Grad zur Erdoberfläche befindet. Rumms, da schnellt der Bob nach oben und wir düsen durch die „Horse-Shoe Corner Kurve oder war das schon „Devils Dyke Corner“, die berüchtigte Teufelsdamm-Kurve? „Aaah“ möchte ich schreien, aber da ich ein Mann bin ziehe ich es durch. Auf meiner Fahrt durch die Eisrinne, entlang der Via Maistra, der Verbindungsstraße St. Moritz-Celerina, könnte ich den Arvenwald bestaunen oder nach Bridge Corner die Eisenbahnbrücke, die über den weiteren Streckenverlauf steht. Doch dafür habe ich im Augenblick keine Zeit, eine Mischung aus Glücksgefühl, Anspannung und Aufregung durchströmt meinen Körper. Die eiskalte Atemluft nehme ich nicht wahr, da ich damit beschäftigt bin überhaupt zu atmen. In den schnellen Kurven erreichen wir bis zu 4g, dass sich Live erlebt einfach ganz anders anfühlt, als bisher immer nur in Physikbüchern gelesen zu haben.
Am Ende nach ungefähr 75 Sekunden und 1.722 Metern Länge, durchqueren wir die Portago Corner, die letzte von 14 Kurven. Benannt nach Alfonso de Portago, der bei der Bob-Weltmeisterschaft 1957 in St. Moritz die Bronzemedaille im Zweierbob holte und nur wenige Wochen später bei der Mille Miglia, dem legendären Autorennen in Italien, tödlich verunglückte. In St. Moritz bleibt er aber unvergessen, als Namenspatron der letzten Kurve, bevor uns Peter Liechti sicher zum Stillstand bringt.

Nach der Fahrt fühle ich mich gut, auch mein anderer Mitfahrer lächelt von einem Ohr zum anderen. So holen wir mit ein wenig Stolz am Infostand unsere Urkunde über die erfolgreiche Bob-Taufe ab. Das Erlebnis Bobfahrt ist so beeindruckend das ich es wieder machen würde. Nicht sofort, aber sicher wieder. Es ist auch nicht mit einer schnellen Autofahrt zu vergleichen und selbst der oft zitierte Vergleich mit einer Achterbahn ist nicht zutreffend. Es ist echter, realer, Live! Es ist die Wahrnehmung der Natur in dem einzigen Natureiskanal der Welt!

Text: Bernd Schweickard
© Foto: Katharina Gabryluk

 

Infos zu den Gästefahrten:
Aktuell stehen rund 15 Bobs für Gästefahrten zur Verfügung. In den leicht modifizierten Rennviererbobs können immer zwei Gäste mitfahren. Gesteuert und gebremst wird mit einem der vielen erfahrenen Bobfahrer. Weitere Informationen gibt es auf der Website www.olympia-bobrun.de !

 

Die Reise durch Graubünden mit der Möglichkeit dieser Bobfahrt wurde freundlicherweise unterstützt durch:
Graubünden Tourismus, Tourismusorganisation Engadin St. Moritz, Audi, Suvretta House, Völkl Performance Wear, Mont Blanc Fragrances

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