40 Jahre Veterama Mannheim

Nun ist sie selbst zum Oldtimer geworden, die Veterama Mannhein. Den Anfang 1975, als Walter Metz und Winfried Seidel die Idee zu einem Oldtimer-Teilemarkt hatten, habe ich damals, als Fünfjähriger, nicht mitbekommen.

„Man müsste mal Leute zusammenbringen, die Teile im Keller, in der Garage, in Scheunen und Schuppen liegen haben, die andere Leute brauchen können um ihre Fahrzeuge zu restaurieren.“

Das war die Aussage damals und der Startschuss für das, was sich nicht nur heute, sondern seit vielen Jahren als „Europa’s größter Oldtimermarkt für Auto + Motorrad“ nennen darf. Ich selbst bin mit meinem Vater seit 1984 dabei. Nun also auch schon 31 Jahre, überwiegend als Besucher, einige Jahre aber auch als Aussteller mit Automobilia.

 

So ist der Rundgang heute auch für mich eine Zeitreise. Eine Wanderung durch viele Jahre des automobilen Hobbies. Begleitet von anderen Händlern, die teilweise heute zu Freunden geworden sind. Manche stehen noch immer auf der Veterama, haben nur ihr Äußeres gewechselt, von schwarzem Haar auf grau, oder direkt ganz ohne. Dazu eine wärmende Kopfbedeckung in nato-oliv mit Fellrand. Wo diese gekauft wurde muss man nicht fragen, es ist klar, natürlich auf der Veterama.

 

„ Der Rucksack ist die Handtasche des Mannes auf der Veterama.“

 

Diese Lust auf „etwas zu kaufen wo ich vor 10 Minuten noch nicht wusste dass ich es brauche“ nennt man auch gerne „Veterama-Syndrom“. Kaum bist du durch die breite Pforte der Einganstüren durch, auf der vor Öffnung tausende Menschen stehen, bekommst du spätestens nach 2 Gängen diese innere Unruhe, etwas in den Rucksack packen zu müssen. Ja ein Rucksack, gängiges Modeaccessoire eines Mannes auf der Veterama. Hier passt alles rein, vom Zylinderkopf einer 70er Jahre Jahre Zündapp Bergsteiger bis zum 2 Kilogramm schweren antiquarischen Buch über Bugatti. Oder wie in meinem Fall vor einigen Jahren, ein 30 Zentimeter langer Zeppelin aus Kunststoff mit Good-Year Schriftzug. Ein altes Reklameteil eines Reifenhändlers und das sollte so wunderbar in meine Garage passen. Ich muss ihn nur noch säubern, neue Leuchteinheit einbauen, ein wenig hier was ändern und dort. Natürlich kam es nicht dazu. Zu viele andere (Lebens)aufgaben verwehrten die Anpassung des Zeppelins, somit fand er nach einigen Jahren wieder den Weg zur Herbst-Veterama nach Mannheim. Dieses Mal auf meinen Verkäufertisch. Und schon am Samstagvormittag fand sich ein neuer Zeppelinbesitzer, der „seinen Schatz“ mit glänzenden Augen nach Hause getragen hat.

 

Sicherlich kaufe ich heute auch viele Sachen im Internet, weil die Dinge jederzeit verfügbar sind. Dennoch freue ich mich immer noch auf die große Veterama, denn nur dort kann man diesen Oldtimerbazillus wirklich leben. Und das schöne ist immer noch, die Veterama verbindet alle Schichten. Ob der 72-Jährige Unternehmenslenker der selbst schrauben kann und eine Zündeinheit für seinen Vorkriegs-Horch sucht, der 32-Jährige Jung-BWL’er der für seinen Youngtimer die passende Literatur sucht oder die teils skurrilen Anbieter in der Motorradlandschaft, die so überproportional herzlich sind, auf der Veterama sind sie alle gleich. Verteilt auf aktuell gigantischen 260.000 qm mit unzähligen Gängen.

 

„Wenn dir an einem sonnigen Herbstmorgen der Geruch von Grill-Bratwurst, Bier und Öl in die Nase steigt, ist Veterama-Time.“

 

Es ist diese spezielle Atmosphäre, dieser Geruch nach Alt. Die morgendliche frische Herbstluft, durchzogen von frisch aufgebrühtem Kaffee, ja, gebrüht, gefiltert, nicht „gekapselt“. Später am Tag die grauen Rauchschwaden die von Holzkohlegrills aufsteigen, der Geruch von angebrannten Steaks in der Luft, dazu ein frisches gezapftes Pils. Das ist die Atmosphäre die seit 40 Jahren die Veterama zu etwas Besonderem machen. Mit ihren Angeboten von ganzen Autos, rostigen Fahrrädern, Schaufensterpuppen, Autoprospekten, antiken Schildern und vielen mehr, was man nicht braucht, aber jeden einzelnen Käufer ein klein wenig glücklicher macht.

www.veterama.de

Text: Bernd Schweickard

© Foto: Michael Hintz

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