Opel Kadett D Caravan ADAC

Yellow Submarine!

Im ADAC Opel Kadett D Caravan bei der Bodensee Klassik Rallye.

Sie tauchen nur dann auf wo sie gebraucht werden und sorgen dann meist für Freude. Die gelben Engel des ADAC in ihren leuchtend gelben Autos. Gegründet wurden der Verein schon im Jahr 1903, jedoch erst seit 1954 ist er unter dem heute noch bekannten Namen als „ADAC Straßenwacht“ nach dem Krieg wiedergegründet worden. Heute sind rund 1.700 „Gelbe Engel“ als Pannenhelfer im Einsatz.

Opel ist seit jeher stark mit dem ADAC verbunden, da zwei Kernelemente wichtig für den Einsatz als mobiler Helfer sind: Zuverlässigkeit und Platzangebot! Diese Merkmale brachte schon in den 60er/70er Jahren der Kadett B Caravan mit, ebenso wie die aktuell eingesetzten Zafira. In den 80er Jahren vertraute man auf einen Millionseller aus Rüsselsheim, dem Kadett D Caravan.

 

„Er tritt nicht zum Concorso d’Eleganza an, er ist die Working Class der Straße!“

 

Und genau solch ein ehemaliges Dienstfahrzeug wird mein persönliches „Einsatzfahrzeug“ zur diesjährigen, fünften Auflage der Bodensee Klassik werden. Kein nachträglich umgebauter D Kadett, sondern einer, der 1981 als ADAC Kadett geboren wurde und bis 1988 rund um Darmstadt seinen Dienst verrichtet hat. Eine Kilometerfresser-Kutsche mit 300.000 Kilometern auf der Uhr, die man während des Fahrens in jeder knarzenden Schraube spürt. Oder auch sieht, wie auf dem Dach in seinem vom Wind hart rangenommen ADAC Dachwimpel. Dieser hat den Dreck der Jahre eingefangen und schaut aus, als sei er fünf Mal um Kap Horn gesegelt.

 

„Gelber Engel statt Victoria Secret Angel!“

 

Meine erste Bodensee Klassik werde ich als Beifahrer bestreiten. Als Navigator, Zeitnehmer, sozusagen der erste Offizier an Bord unseres Yellow Submarine, wie wir die langgestreckte flache Silhouette unseres D Kadett Caravan liebevoll nennen. Der Kapitän neben mir ist kein Unbekannter, auch wenn es für ihn die erste Oldtimer Rallye seines Lebens sein wird. Der Model-Agent und ehemalige TV-Juror von GNTM, Peyman Amin, wird der Einsatzleiter am hauchdünnen Plastik-Volant ohne Airbag sein.

Amin, der aktuell mit seinem neuen Model-Scouting-Projekt #PARSme für Furore sorgt, tauscht für drei Tage symbolisch die bunte Modelwelt gegen Werkzeugkiste und Arbeiterschweiß aus der Welt der Latzhosenträger ein. Und der Schweiß soll uns begleiten, wie die früheren Insassen in diesem D Kadett. Klimaanlage? Fehlanzeige. Zur Veränderung der Raumluft stehen uns zwei Fenster zur Verfügung, die mittels Kurbel geöffnet werden können. Dazu eine triviale Einstellung der Luftströmung, hoch und runter, An und Aus. Das spart direkt zu Beginn große Erklärungen, so können wir uns auf die erste Zeitprüfung konzentrieren, die wir standesgemäß versemmeln. Im Zeichen der gelben Engel eilten wir einfach zu schnell hindurch. Der alte Rennfahrerspruch „ … und dann ging mir die Straße aus“ sollte auch für uns gelten, nur anders interpretiert.

 

In der ersten Zeitprüfung hatten wir noch Zeit übrig, aber keine Strecke mehr. 

 

Peyman Amin, der selbst in Eschborn, einem Stadtteil von Frankfurt aufwuchs, fuhr natürlich in der Jugend auch einmal einen Opel. Wie so viele Jugendliche Ende der 80er im Rhein-Main-Gebiet, dem Stammsitz der Marke Opel. So war alles schnell präsent und mit viel Schaltarbeit entlockt er dem 1,3 Liter Motor, der heute nur noch als Anlasser durchgehen würde, eine fast sportliche Beschleunigung. Die 60 PS treiben ausschließlich die Vorderräder an, damals ein Novum in der Kadett-Baureihe.

Auf den Bergetappen wie dem Vorarlberg hinauf, fühlt es sich an, als würden wir in der Zahnradbahn sitzen. Vorne schreit der kleine Motor der uns gefühlt den Berg hinauf zieht, während wir inmitten klappernder Reparaturkisten und Blech-Kanistern sitzen. Bergab schaukeln wir im flotten Tempo, durch die eher weich ausgelegten Stoßdämpfer, von einer Kurve zur nächsten Biegung. Aber „Käptn Amin“ hat unser Yellow Submarine sicher im Griff, ja, man könnte sagen sie sind eins geworden und so zirkelt er uns harmonisch den Asphalt entlang. Rechts Fels, links Abgrund. Aber hey, was soll schon passieren, wir sind doch Engel.

 

„Geld schießt keine Tore und produziert nicht automatisch Freude!“

 

Eines vorneweg, selten habe ich auf einer Oldtimerrallye so viele freudige Gesichter gesehen wie bei der Bodensee Klassik 2016! Der Charakter einer Ausfahrt unter Freuden scheint hier oberste Priorität zu haben. Aber wie immer, ein paar die es ernster nehmen, hast du immer, da bleibt der Spaß im Kampf um die goldene Ananas, dem Pokal für den Lichtschrankenmeister, manchmal auf der Etappe verloren. Eben auch im Hochpreis-Klassiker mit adretter Gattin auf dem Beifahrersitz. Anders bei uns und obwohl Peyman Amin keine Modelgazelle neben sich hat, sondern mich, im von Opel Classic gut vorbereiteten Kadett.

 

Überhaupt, Peyman Amin, der stets gut gelaunt ist und nicht nur die Kinder an der Strecke ab und an mit der kurzzeitig eingeschalteten gelben Rundumleuchte erfreut. Die Besucher an der Strecke scheinen uns und unser Yellow Submarine zu lieben. Wildfremde Frauen strecken ihren Arm durchs Seitenfenster um sich ein Autogramm von Peyman zu holen, andere rufen „So einer hat mir auch mal geholfen“, oder „So einen Kadettilac hatten wir damals auch, als wir 85 gebaut haben“.

Nicht nur für die Zuschauer am Streckenrand, auch für uns, ist dieser „Einsatz“ etwas ganz besonderes, eine wunderbare Reise zurück in die eigene Vergangenheit, voller schöner Momente.

Hier gehts zur BKL Bodensee Klassik Fotogalerie 2016!

Text: Bernd Schweickard

© Foto: Walter Tillmann für Opel (4), Bernd Schweickard

 

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