F1: Tests in Barcelona

Formel 1 Tests in Barcelona – Die Stunde der Wahrheit!

Barcelona – mediterrane Weltmetropole, Zuhause von Gaudis Kunstwerken, Heimat der besten Paellas und ganz nebenbei Austragungsort des spanischen Grand Prixs. Und das in diesem Jahr zum bereits 20. Male. Und aufgrund des milden Klimas werden alljährlich auch die vorbereitenden Testfahrten zur anstehenden Formel 1-Saison auf dem 4,655 km langen Kurs in Montmelo ausgetragen.

12 Testtage standen insgesamt auf dem Programm der Teams, um die Rennboliden startklar für das erste Rennen in Melbourne (Australien) am 15. März zu machen. Bei den letzten fünf Testtagen konnte ich mir die Geschehnisse live vor Ort ansehen. Bei  meiner Ankunft am letzten Testtag der ersten Runde wurde ich mit gleich zwei Sensationen – neben dem herrlich sonnigen Wetter – konfrontiert! Die mysteriösen Umstände des Unfalls von Fernando Alonso (dazu später mehr), und der erste Eindruck der unheimlich gut klingenden Motoren! War es lediglich Einbildung und Folgen der winterlangen Formel-1-Entzugserscheinung, oder klingen die Antriebssysteme der 2015er Formel 1 Generation tatsächlich besser und fast so wie in alten Zeiten? Tatsache ist, der Eindruck hat mich nicht getäuscht. Höhere Drehzahlen und ein kürzerer Auspuff sind zwei Faktoren für den tollen Sound der Hybrid-Antriebe. Das wird die Fans freuen!

Kurz vor meiner Ankunft am Circuit de Catalunya wurden die Tests von einem seltsamen Ereignis unterbrochen. Fernando Alonso, zweimaliger Weltmeister und Rückkehrer zu McLaren-Honda, erlitt einen Unfall, der auch sieben Tage danach immer noch die Gemüter erhitzt. Denn Alonso verlor für Sekundenbruchteile das Bewusstsein aufgrund eines angeblichen Stromschlages und verbrachte daraufhin vier Tage in einem Krankenhaus in Barcelona. Ron Dennis stellte sich nach dem Vorfall der versammelten, internationalen Presse, doch obwohl er viele Fragen beantwortete, einige blieben nach wie vor offen. Man wüsste nicht was bis drei Sekunden vor dem ersten Aufprall passierte, so der Teamchef von McLaren. Neue Auswertungen zeigen, dass Alonso bei 135km/h die Kontrolle verlor und mit gut 105 km/h in die Mauer einschlug. Doch der Helm sah selbst nach dem Aufprall nagelneu aus. Wodurch wurde Alonso also k.o. geschlagen? Die Stromschlag-Theorie ist anscheinend verworfen, denn ein Datencheck zeigte eindeutig, dass die KERS-Lampe funktionierte. Dennoch ist die Tatsache über Alonso´s Zustand besorgniserregend. Denn selbst sämtliche CT-Tests zeigten keinen Befund. Der Spanier meldete sich zwar am Freitag per YouTube an seine Fans, doch es bleibt nach wie vor abzuwarten, ob er beim Auftaktrennen in Melbourne an den Start geht. Der Däne und Ersatzfahrer Kevin Magnussen bereitet sich schon mal auf seinen Einsatz vor.
Die weiteren vier letzten Testläufe verliefen dahingehend ohne weitere, größere Zwischenfälle und Mercedes hat wieder einmal seine Stärke unter Beweis gestellt. In mehr als 2,000 abgespulten Testkilometern zwischen Weltmeister Lewis Hamilton und Vize-Meister Nico Rosberg, wurden neben Setup-Programmen vor allem Long-Runs auf weichen Reifen getestet. „In Melbourne werden wir mit den weichen Reifen fahren und es wird eine Herausforderung, richtig mit ihnen umzugehen, darauf müssen wir achten“, so Rosberg. „Allgemein verliefen die Tests wirklich sehr gut und wir konnten unser Programm durchziehen und dadurch schon viel Performance aus dem Auto ziehen. Darum bin ich sicher, dass wir es in Melbourne auf den Punkt bringen werden“, so der werdende Vater (Frau Vivian erwartet im August das erste Töchterchen). Für das Rennen im Albert Park gelten die Silberpfeile nach den Tests in Barcelona als ganz klare Favoriten. Und sowohl Hamilton als auch Rosberg zeigten beeindruckende Rundenzeiten.

 

Allerdings hatte bei diesem Showdown der Deutsche die Nase vorn, denn seine schnellste Rundenzeit war 0,230 Sekunden besser als die des britischen Weltmeisters – ein kleiner psychologischer Vorteil zum Start der Saison.
Mit großer Spannung wurde seit vielen Monaten der Rückkehr von Motorengigant Honda in die Formel 1 entgegen gefiebert. Doch die McLaren kamen einfach nicht richtig in Fahrt. Nicht zuletzt wegen Alonsos Unfall lagen alle Augen auf dem Team aus Woking. Während die anderen Teams um 09.00 morgens ihre Ausfahrten starteten, dauerte es meistens einige Stunden, bis der MP4-30 auf der Rennstrecke zu sehen war. Mal wurde der McLaren-Honda wegen eines Wasserlecks gestoppt, dann hinderte ein Öl-Leck die Testfahrt. Auch wenn Jenson Button am Freitag 101 Runden abspulte und sich somit ein Aufwärtstrend zeigte, kam es am nächsten Tag zu lediglich 39 Runden. Im Durchschnitt spulten die McLarens gerade mal 32 Rennrunden pro Tag ab. „Über die letzten vier Wochen verlief unser Wintertestprogramm sichtlich ernüchternd“, so McLarens Racing Director, Eric Boullier. „Es war jedoch nicht ganz überraschend, denn im letzten Jahr gab es ähnliche Probleme bei einigen Teams mit den neuen Motoren. Wir sind zwar jetzt nicht so gut vorbereitet, wie wir es gerne wären, aber wir konnten wichtige Daten und Fakten sammeln und vor allem ist der McLaren-Honda MP4-30 im Großen und Ganzen sehr zuverlässig.“

Während es nach wie vor für langjährige Formel1-Fans ein seltsamer Anblick ist, einen Sebastian Vettel von Kopf bis Fuß in roter Ferrari Montur zu sehen, so ist der Deutsche bereits sehr gut bei den Italienern integriert. Am letzten Testtag fuhr er die zweitschnellste Zeit und zeigte allgemein während den Tagen eine gute Performance. Er ist sich sicher, dass Ferrari hinter den dominierenden Mercedes mit Red Bull und Williams um die „zweite Reihe kämpfen wird“.

Vettel´s früherer Arbeitgeber Red Bull hat die Katze allerdings noch nicht aus dem Sack gelassen. Andere Teams legten ihren Fokus auf lange Renn-Runs und Ausdauertests, Red Bull hingegen absolvierte viele kurze Turns. Am letzten Testtag fuhr der Australier Daniel Ricciardo dann allerdings 128 Runden. „Ich denke nicht, dass wir bis jetzt das ganze Potenzial des Autos mit viel Benzin an Bord gezeigt haben“, so Ricciardo. „Wir werden sehen, wie es bei meinem Heimrennen sein wird, aber wir sind definitiv besser mit einem schweren Auto. Wir wissen noch nicht viel über Low-Fuel-Runs mit den weichen und super-weichen Reifen, weil wir die noch nicht getestet haben. Wir sind auf einem guten Weg und haben viele von den kleinen Problemen der letzten Saison aussortiert.“
Lotus hingegen hatte einen sehr guten Start in die Testphase und fuhr teils die Tagesbestzeit. Doch so vielversprechend wie die Tests verliefen, so apprupt endeten sie, als Pastor Maldonado am Sonntagnachmittag den Mercedes-motorisierten Rennwagen nach einem Bremsproblem in die Reifenstapel setzte. „Es ist wirklich schade den Tag so zu beenden, aber das war das einzige Problem, das wir während der Tests hatten“, so Maldonado. „Ich freue mich schon sehr auf Melbourne, denn das Auto hat wirklich sehr gutes Potenzial für diese Saison.“

Das abschließende Highlight setzte am Sonntag der stark-aufgetretene Williams von Valtteri Bottas. Das traditionsreiche Team setzte bereits in der vorhergegangenen Saison seine Akzente und unterstreichte mit der Tagesbestzeit, dass auch in der 2015 Saison mit den Weiß-Blauen zu rechnen ist. Und Williams kann durchaus optimistisch sein, denn der FW37 ist nicht zu stoppen, läuft wie am Fließband zum wiederholten Male ohne jegliche Probleme oder Defekten.

Die Bilanz der letzten Wintertests vor dem Saisonstart lässt sich so zusammen fassen: Bottas und Williams ganz stark, Sebastian Vettel in seinem roten Renner in der Verfolgerrolle, Renault und McLaren-Honda kämpfen noch mit ein paar Pannen, Lotus trotz Crash am Sonntag gut platziert – und Mercedes dominant wie eh und je.  Zwei Wochen müssen wir uns noch gedulden, dann geht die neue Formel 1 Saison endlich wieder los.

Text: Jasmin Müller

(c) Foto: STUDIO COLOMBO X FERRARI MEDIA , Mercedes GP, Bernd Schweickard

 

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