Bremen Classic: Sonderschau Einfach Keil

Sexy Kylie!

Am Anfang war nicht das Rad, sondern der Keil, dass wissen seit der Bremen Classic MotorShow nicht nur die Steinzeitforscher. Die Besucher der Auftaktveranstaltung ins 2016er Oldtimermessen-Jahr konnten sich selbst davon überzeugen. Die diesjährige Sonderschau stand unter dem Motto „Die 70er: einfach Keil“ und zeigte teils äußerst seltene Spezies dieser Gattung.

Zu den Stars der Ausstellung zählen die Konzeptstudien Mercedes-Benz C-111 und BMW Turbo, die in den frühen 1970er-Jahren als absolute Traumautos aller Generationen galten – ob als unerfüllbare Verheißung auf den Titelseiten der Automagazine oder maßstabsgerecht verkleinert im Kinderzimmer.

Vorn flach und spitz, hinten hoch und stämmig, dazwischen eine Kür ansteigender Kanten – so sah sie aus, die futuristische Auto-Silhouette, die Anfang der Siebziger als greifbare Zukunft der Achtziger verkauft wurden. Die Turiner Styling-Schmiede Bertone keilte als erste aus, Chefdesigner Marcello Gandini wurde 1968 zum Urvater der schroffen Formsprache. Giorgetto Giugiaro, Gandinis Vorgänger bei Bertone und Gründer von ItalDesign, keilte dagegen – worauf sich die beiden Kontrahenten, die heute zu den größten Autodesignern aller Zeiten zählen, mit immer radikaleren Schaustücken einen aufsehenerregenden Kampf um die Krone der Keilform lieferten. Manche der Schaustücke aus den Federn Gandinis und Giugiaros entwickelten sich zu Prototypen serienmäßiger Traumautos – von denen vier Raritäten für die Sonderausstellung gesetzt sind: Lamborghini Countach, Maserati Khamsin, Lotus Esprit und Lancia Stratos.

 

Ebenso wie der Stratos, kommt ein anderes Keilmobil aus Italien, in diesem Fall sogar ein Unikat. Der Alfa Romeo „Caimano“, der im Auftrag von Alfa Romeo für den Turiner Autosalon 1971 von Italdesign konstruiert wurde. Heute bekommt man das Einzelstück, welches auf dem Alfasud basiert, nur selten zu Gesicht, da es normalerweise nur im Alfa-Romeo-Werksmuseum „La macchina del tempo“ im Mailänder Vorort Arese steht.

Der Auftrag für den Caimano war begleitet von der Forderung, ein Traumauto fernab jeglichen praktischen Nutzwertes zu schaffen. Das ist beim Betrachten der polarisierenden Karosse sicherlich als perfekt gelungen zu bezeichnen. Der Knick in der Motorhaube ist dem darunter platzierten 1,2-Liter-Triebwerk des Alfasud geschuldet. Der baut als Boxermotor zwar sehr flach. Giugiaro hatte allerdings eine extrem tiefe Front mit nur einem schlitzförmigen Kühlergrill im Sinn – der Motor ließ eine plane Haube schlicht nicht zu. Für die 1970er Jahre gewissermaßen obligatorisch sind die Klappscheinwerfer.

Angesichts des futuristischen Designs muten die 68 serienmäßigen PS des Alfasud Boxermotors geradezu bescheiden an. Aber der Caimano war ohnehin nicht für die tägliche Wirklichkeit gedacht. Ein wahres Traumauto eben.

 

Text: Bernd Schweickard

© Foto: Alexander Beyer

 

 

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